Domus Mater


Als Jackson alle Fotos im Kasten hatte, sind wir zum Auto zurück. Wir haben noch die sogenannte „Judenrampe“ angefahren, die einige hundert Meter vor dem Tor des KZ Birkenau liegt. Hier wurden anfangs die Güterwagen geleert und die Häftlinge selektiert. Erst später fuhren die Waggons direkt bis ins Lager hinein. Es gab hier einen ausgestellten Güterwaggon zu sehen und Gedenktafeln, die allerdings nur in Polnisch verfasst waren. Wenige Meter daneben standen Einfamilienhäuser, deren Gärten zu der Rampe gerichtet waren. Irgendwie ragt so die Vergangenheit in die Gegenwart. Das war unser letzter Eindruck von Auschwitz. Wir verließen die Stadt.

Da ich für diesen Abend ein Hotel in Krakau gebucht hatte, mussten wir nicht allzu weit fahren, wofür wir auch sehr dankbar waren.
Es sind bis Krakau ca. 70 km. Mein Navi leitete uns. Es regnete, es war dunkel, nein, schön war anders. Nach etwa einer Stunde waren wir in Krakau, das Navi meinte, dass wir gleich da sind. Echt? Hm… Sieht eher nach einem Industriegelände aus hier…
Als es verkündete: „Ihr Ziel befindet sich auf der rechten Straßenseite.“ …“Sie haben ihr Ziel erreicht“, standen wir an einem großen Platz. Der sah nach allem aus, nur nicht nach einem Hotel.
OH NEIN! BITTE NICHT!
Mein Alptraum wurde wahr. In Polen verloren. Meine sonstige Coolness war für diesen Tag echt schon aufgebraucht. Ich hatte keine Ruhe mehr übrig. Mir brannte das Gesicht, als ich verzweifelt überlegte, wie ich denn jetzt an den Namen des Hotels kommen soll. Die Bestätigung war per Mail gekommen, aber in Polen hatte ich den Flugmodus eingeschaltet, keine Lust auf Zusatzkosten. Und das Navi hatte ich mit der vermeintlich richtigen Adresse gefüttert, da stand der Hotelname auch nicht drauf.
Aus einem Büdchen in der Nähe des Platzes auf dem wir nun standen, kam ein älterer Mann heraus, musterte uns, wie wir im Dunkeln im Auto saßen und verschwand wieder. Was hätten wir ihn auch fragen sollen? „Ähem… wo ist denn bitte unser Hotel?“?
Ich verabschiede mich von meiner Angst über zusätzliche Roaming-Gebühren und schaltete den Flugmodus aus um mich mit dem Internet zu verbinden. Jackson harrte der Dinge. Ich machte mir weniger Sorgen darüber, dass wir kein Hotel bekommen, mehr darüber, dass wir dann doppelt zahlen. Als die Welt verstanden hatte, dass ich gerne eine Internetverbindung hätte, schickte sie mir eine SMS, die mir ein Datenpaket für 3 Euro anbot. Hier hatte ich 100 MB. Ja, das sollte wohl reichen um einen Hotelnamen herauszufinden. Danke, nehme ich. Es verband, ich suchte.
„Domus Mater“. Aha. Die Adresse suchte ich noch, da hatte Jackson es in ihrem Handy schon gefunden. 400m weiter. Ich hatte nur eine falsche Hausnummer eingegeben. Oh Mann…
Nun gut. Wir fuhren also an den angegeben Platz, und da war es. Es sah sehr viel anders als unser schönes Dresdner Hotel, klein, eher wie eine Jugendherberge. Wir konnten auf den Parkplatz fahren und sahen am Eingang eine sehr steile Rampe, die die Treppen überbrückte. Ohoh… Ob sie mich da hochbugsiert bekam? Wir blieben erstmal vor dem Eingang stehen, da kam aber auch schon eine nette junge Dame heraus und wies uns den Weg zur rückwärtigen Seite des Hotels, hier konnten wir ebenerdig rein und mit dem Aufzug fahren. Das war gut.
Vor der Rezeption angekommen, checkte ich schon mal ein, Jackson holte unsere Sachen. Ein Priester im Ornat lief dort auch herum. Aha…?
Unser Zimmer befand sich im ersten OG. Dort angekommen waren wir platt; als sich der Aufzug öffnete. Wir starrten auf eine Museumsetage von Papst Johannes Paul dem 2. Seine Bilder, seine Bischofsrobe, sein Hirtenstab, was weiß ich, was nicht noch alles. Der ganze Flur war voll. Wo sind wir denn hier gelandet? Und, damit es noch skurriler wird, gab es in der Ecke einen Eingang zur Kapelle.
Den haben wir geflissentlich übersehen und sind in unser Zimmer.  
Dies war etwas spartanisch, aber ausreichend. Das Bad war groß genug und rollstuhlgerecht.  Das alleine zählte.
Da wir noch bis 20.30 Uhr essen durften, und es schon halb acht war, haben wir uns direkt wieder auf den Weg zum Speisesaal gemacht. Im TP. Auch der hatte Kirchencharakter. Mir schwante, dass „Domus“ irgendwas kirchliches sein musste. Heller Kopf!
Egal. Der Speisesaal war außerdem recht vollgestellt mit Tischen und Stühlen und erinnerte ebenfalls mehr an eine Jugendherberge als an ein Hotel. Es saßen noch zwei Herren dort, die auch grade bestellten.
Wir nahmen Platz. Die junge Bedienung war ebenfalls super lieb und freundlich. Sie brachte uns eine Karte, die wenig Auswahl hatte. Aber wir fanden etwas. Es hat auch sehr gut geschmeckt und war sehr preiswert. Mir brannte das Gesicht noch immer, ich hatte das Gefühl zu glühen und das war auch nicht falsch. War wohl was viel Aufregung für einen Tag.
Jetzt konnte ich aber auch schon wieder lachen. Jackson machte ein Foto von mir in einem unbemerkten Moment, das meine Gemütslage absolut und sehr treffend wiedergab. Ich lachte mich schlapp.
Da wir uns den ganzen Tag schon gefragt hatten, was auf Polnisch wohl „Hallo“, „Bitte“ und „Danke“ heißt, konnten wir bei der netten Bedienung unsere Fragen loswerden. Sie sagte die Worte auch mehrfach, aber ich hatte nicht das Gefühl, sie auch nur ansatzweise richtig auszusprechen.
Nachdem wir zu Ende gegessen hatten, kam sie und brachte ein Zettelchen auf dem sie ein kleines Wörterbuch für uns geschrieben hatte. So süß! :-)
Da der liebe Gott uns hier sehr nah war, haben wir ganz wundervoll geschlafen. Diesmal mussten wir auch nicht so früh raus, sondern konnten etwas länger schlafen. Zum Frühstück war es allerdings sehr voll im Speisesaal, eine Reisegruppe Franzosen bevölkerte ihn und wir kamen kaum durch. Auch war das Frühstück recht spartanisch.
Dafür habe ich aber für alles zusammen auch grade mal nur 90 Euro für uns beide bezahlt. Abendessen, Museum und Sprachkurs inklusive. ;-)






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