Der erste Tag, Bergmannsheil


Tag 1, Bergmannsheil

 

Wie geplant bin ich um 5.45 aufgestanden. Ging überraschend gut, wenn man bedenkt, dass ich um diese Uhrzeit in den letzten Monaten noch lange geschlafen habe.
Auch so ein Aspekt, den es zu beachten gibt, wenn man über meine Krankheit jammert.

Wollen wir einen kleinen Exkurs in meinen Alltag unternehmen?
Ich kann ausschlafen. Muss nicht in aller Herrgottsfrühe raus. Meine Termine sind nie vor 10. Das bedeutet, so um 8, halb 9 aufstehen. Dann mache ich mich fertig. Die Katzen werden gefüttert, die Klöchen gesäubert. Neben unserer Cindy gibt es ja noch Filou, ein schwarzer Maine Coon Kater, Bella, eine getigerte EKH mit weiß, Schrödi (eigentlich Krümel, dann Schröder und nun ist Schrödi hängengeblieben), auch EKH, schwarz mit weiß, und Mausi, eine Mix aus BKH und EKH, die ein wundervoll weiches, bläulich schimmerndes Tigermädchen ist.
Schrödi und Mausi sind erst seit Pfingsten dieses Jahres bei uns. Sie sind von der Tierhilfe und haben nach Wochen jetzt so langsam Vertrauen in uns und entspannen. Mausi ist noch immer sehr schissig, aber von uns lässt sie sich streicheln. Da sie schon einige blöde Begegnungen mit Cindy hatte, die irgendwie nicht verstanden hat, dass es neue Mitbewohner gibt, kommt sie nicht so gerne ins Wohnzimmer, sondern hält sich lieber im HWR (der Raum, in dem die Waschmaschine, der Trockner, die Klos und das Katzen-Futter stehen) auf. Von hier springt sie auch gerne aus dem Fenster nach draußen und kommt auf gleichem Weg wieder zurück. So muss sie nicht durch die Terrassentüre, die an Cindys Nase vorbei nach draußen führt. Schrödi ist da entspannter. Und die anderen beiden kennen Cindy ja schon viel länger und umgedreht. Man geht sich aus dem Weg.

 

So, vom Katzen-Exkurs zurück zum Alltags-Exkurs.
Wenn Mutti geschrubbt und die Katzis gefüttert und gesäubert sind, geht’s auf die erste Hunderunde des Tages. Zuhause bin ich mit einem Aktivrollstuhl unterwegs. Für die Hunderunden und auch sonst wenn ich draußen unterwegs bin, steige ich um in meinen Panzer.

Ach, komm, wir machen auch noch nen Rolli-Exkurs. Hihi.
Ich habe einen Sopur Easylife. Mit ihm kann man sehr gut kurven, er ist kein Sportrollstuhl mit total schräg gestellten Rädern, aber jetzt auch nicht so ein unbewegliches Monster mit Armlehnen, wie man Rollstühle gemeinhin kennt. Ich mag ihn. Ich habe für ihn auch Räder, die durch einen Elektromotor, ähnlich den Elektrobikes die Schubkraft der Hände unterstützen, sodass ich mit wenig Kraftaufwand gut vorwärtskomme. Die kann ich austauschen oder halt mit den normalen fahren.
Aber, genau wie mein Panzer, sind solche Elektrosachen eigentlich draußen eher angebracht, da man mit Schub auch gerne mal schneller gegen einen Türrahmen oder Schrank fährt. Ich hatte meinen Panzer grade neu, da musste ich aus der Küche was holen. War aber schon in ihn umgestiegen, weil ich eigentlich mit Cindy loswollte. Jut, probieren wir es. Ich habe ihn auf die langsamste Stufe gestellt und bin vorsichtig reingefahren. Bis in die Küche kam ich unfallfrei, und dann wollte ich nur noch ein wenig nach vorne, weil ich noch nicht drankam und da war die neue Küche auch schon um eine fette Schramme reicher. Einmal drin, alles hin. :-/
Seither bleibt der Panzer draußen und ich steige lieber nochmal um.

 

So, Alltag, zum dritten.
Cindy liegt dann meist schon auf ihrem Kissen auf der Lauer. Sie kennt den Ablauf auch und weiß wann es soweit ist. Da sie ja fast taub ist, bringt uns rufen nun nicht ganz so weit nach vorne. Klatschen nimmt sie aber wahr. Also klatsche ich zweimal in die Hände und dann kommt sie auch schon angerannt und freut sich wie Bolle. War ja schließlich seit Monaten nicht mehr vor der Tür. Morgens haben wir eine feste Route. Wenn ich auf der Terrasse vom Rolli in den Panzer gewechselt bin, geht es los. In unserer Siedlung leine ich sie an, man weiß ja nie, ob nicht zufällig ihre „Freundin“ auch aus der Türe kommt. Außerdem finde ich es nicht so schön, wenn sie in die Vorgärten läuft. Wenn wir durch den Carport sind, brauche ich nur meine Hand mit der Leine nach unten neben den Panzer halten, dann kommt Cindy angelaufen, parkt ein und lässt sich anleinen. Das ist grandios. Und das Beste daran ist, dass ich ihr das nicht beigebracht habe. Das ist irgendwie so gekommen. Allerdings gibt es immer ein Leckerchen nach dem Anleinen (das bei uns entweder aus ihrem Trockenfutter, getrocknetem Fisch oder Leberwurst aus der Tube besteht. Letzteres gibt’s nur bei ganz dollem Wohlverhalten, z.B. wenn sie bei Fuß neben meinem Panzer mit mir über die Straße geht. Und ratet mal, wie oft sie das macht… genau. ;-) ). Und dann geht’s los. Unsere Morgenrunde ist 1,6km lang. Mein Panzer weiß sowas ;-). Wenn wir aus der Siedlung raus sind, leine ich sie ab und wir rollen/laufen nebeneinander her. Und ja, ich hebe ihre Hinterlassenschaften auf! Ich kann mich nach vorne beugen, alles ins Tütchen sammeln und dann wieder hochdrücken. Geht bestimmt nicht bei jedem Rollifahrer, aber ich finde, wer es kann soll es auch tun.
Wenn unser Ründchen beendet ist, geht’s wieder in den Aktiv-Rolli und dann bekommt Hundi und dann ich Frühstück. Ordnung muss sein. ;-)
Je nachdem was so ansteht, kann ich dann entweder was am Compi machen, oder ich bekomme Besuch vom „Psycho“, meinem Psychotherapeuten, der 1x in der Woche zu mir kommt, weil ich seine Treppen nicht bewältigen kann. Oder Kati kommt putzen. Auch 1x die Woche. Und dann habe ich auch noch Englisch, 2x die Woche. Ansonsten habe ich morgens nichts zu tun. Was, wer mitgezählt hat dann genau einmal der Fall ist, natürlich außer Samstag und Sonntag, die sind uns heilig, da kommt niemand vor Nachmittag. Aber Langeweile habe ich auch dann nicht. Ich schreibe, oder erledige Papierkram, wasche Wäsche, nicht zu vergessen, Häkeln oder Lesen, das aber meist eher abends. Dauert ja auch alles was länger bei mir. Dann koche ich auch immer mal was. Joa, und dann ist schon Nachmittag. Der dann auch wieder die Hunderunde mit sich bringt. Die ist meist etwas länger, mal da, mal da lang. Und dann gibt es Nachmittage mit Akupunktur, Physiotherapie, seit neuestem Reiten, Lymphdrainage. So habe ich fast jeden Tag irgendwas.
Aber, und das ist die Krux, das ist alles kein Stress mehr. Ganz anders als es zu meinen gesunden Zeiten war. Und das macht es aus. Kopfschmerzen, damals ein oft gesehener Gast, kenne ich überhaupt nicht mehr. Ich schlafe tief und fest und bin die meiste Zeit ausgeglichen und frohen Mutes. Bin nicht gehetzt und völlig frei von Druck.

Darum ist es nicht nur schlimm, krank zu sein.

 

So, jetzt habe ich alles andere erzählt. Nur nix von meinem ersten Kliniktag. ;-)

 

Fortsetzung folgt...





Kommentar schreiben

Kommentare: 0