Meine Eltern

Ein schwieriges Kapitel.

Darum auch noch nicht geschrieben. Es heißt, wenn man nichts Nettes zu sagen hat, soll man schweigen. Insofern habe ich bisher richtig gehandelt. Andererseits gehören sie zu meinem Leben. Nichts zu sagen/schreiben ist da etwas wenig.

Wenn ich den Tab meiner Website der da heißt "Begleiter meines Lebensweges" anschaue, dann sind da eine Menge Menschen, die mir geholfen haben, der Mensch zu werden, der ich bin.

Das haben meine Eltern auch getan. Auf ihre Art halt eben. Irgendwie. ;-)

"Liebe besteht nicht darin, dass man einander anschaut, sondern dass man gemeinsam in die selbe Richtung blickt" Antoine de Saint-Exupery
"Liebe besteht nicht darin, dass man einander anschaut, sondern dass man gemeinsam in die selbe Richtung blickt" Antoine de Saint-Exupery

Meine Eltern haben sich nie durch überschwängliche Liebesbeweise in Szene gesetzt. Bei ihnen habe ich eines gelernt: Wie man es nicht macht. Geht aber auch. Oft habe ich nach einer "Aktion" gedacht: "Und wenn du groß bist, machst du das anders." Schön ist, dass ich es mir über meine Kindheit hinaus gemerkt und tatsächlich umgesetzt habe.

Wenigstens so gut es mir eben möglich war. Gegen Gene und die eingepflanzte Erziehung kann man nur bedingt anstinken, aber ich habe mich redlich bemüht.

Ich denke, die Umstände haben, wie immer, dazu beigetragen, dass meine Eltern erzogen haben, wie sie es halt eben taten. In meinen ersten 4 Jahren war meine Oma noch mit in der Wohnung. Das bedeutete zum einen Spannungen, zum anderen aber auch Entlastung. Es war immer ein Babysitter da und meine Eltern konnten ihre Freunde nach wie vor treffen. Auch war jemand da, der kochte, wenn es die junge Mama nicht schaffte.

So würde ich sagen, dass meine ersten vier Jahre völlig in Ordnung waren. Meine Oma liebte mich und meine Eltern wurden entlastet, sodass sie Zeit zur Regeneration hatten und die Emotionen höchstens im Streit zwischen meiner Mutter und meiner Oma überkochten.

Im Februar 1973 starb Oma und im März wurde mein Bruder geboren. Ich war grade 4 geworden.

Nun kam für meine Mutter eine Belastung hinzu und eine Unterstützung fiel weg. Ich denke, mein Vater hatte weniger darunter zu leiden, er ging ja arbeiten. Das ist anstrengend. Da liegen die Nerven halt auch mal blank. Das weiß ich als Mutter zweier Kinder mit drei Jahren Abstand sehr gut.

Auch ich habe schon mal ordentlich gebrüllt, wenn es grade drunter und drüber ging, und tatsächlich ist auch mir mal die Hand augerutscht.

Aber hier ist sie wirklich ausgerutscht und niemand war erschrockener als ich. Ich habe mich anschließend bei dem Kind entschuldigt und wirklich dafür geschämt. Das macht es zwar nicht ungeschehen, aber ich denke, die Wertschätzung ist weiterhin vorhanden und das merkt das Kind.

 

Meine Mutter hatte den Holz-Kochlöffel parat. Damit wurde der Hintern verhauen wenn es ihr zu laut war. Oder ihre Nerven zerrissen. Der Kochlöffel darum, weil sie sich beim Schlagen mit der Hand selber weh tat. Das hat sie selber mal gesagt. Blöd war, dass ich ihn meist als erstes zu spüren bekam. Ich war ja schließlich "die Große". Ich musste ja wissen wie man sich zu benehmen hat. Ein kleiner Bruder, der das bald raus hatte, ist da nicht weiter hilfreich. Er heulte und ich steckte ein. Einmal, als wir beide eine Abreibung bekamen, zerbrach der Löffeln auf seinem Hintern, was ich mehr als ungerecht fand.

Brüderchen wuchs zum kleinen Prinzen heran. Auch etwas, was ich versucht habe, bei meinen Kindern besser zu machen. Wenn ich nicht wußte, wer am Streit schuld war, gingen beide in ihr Zimmer. Wenn meine Eltern es nicht wußten, war es automatisch ich. Das macht ungeheuer zornig.

Ständig Ungerechtigkeit zu erfahren erzeugt Wut. Wohl auch ein Grund dafür, dass wir beide uns bis aufs Blut gestritten haben (zumindest wenn wir alleine zu Hause waren, darf dies wortwörtlich genommen werden) und zumindest ich zu ihm bis zum heutigen Tag keine Geschwisterliebe empfinde. Da mag er nichts für können. Ich aber auch nicht.

Meine Eltern hatten halt gerne ihre Ruhe, Konflikte wurden nicht ausgetragen und es hatte Ruhe zu herrschen. Eigentlich ganz einfach.

 

Mein Leben bis zu meinem Auszug mit 21 Jahren war geprägt durch Folgsamkeit und Klappe halten. Besser is. Ich kann mich nur an eine einzige Situation erinnern, in der ich Unterstüttung erfahren habe. Als meine Ausbildung am Ende der dreimonatigen Probezeit auf der Kippe stand, ist mein Vater mit mir zu meinem Chef gegangen um eine Weiterbeschäftigung mit ihm zu besprechen. Das hat geklappt und mich vor einem möglichen Abstieg bewahrt.

Ich habe meinen Weg gemacht. Wenn ich auch jede Entscheidung alleine treffen musste und die falschen entprechend  auszubaden hatte, so bin ich letztendlich sehr zufrieden mit meinem Werdegang.

Luft nach oben wäre in jeder Hinsicht gewesen und mit beratend zur Seite stehenden Eltern wäre sicher einiges Erlebte unnötig und einiges Unerreichte erreichbar gewesen.

Aber hier war halt die Einzelkämpferin gefragt und sie entstand.

Mein Rüstzeug war das Wissen, sich besser auf mich selbst zu verlassen und der dadurch entstandene Biss hat mich durch mein Leben getragen.

 

Ich habe weder zu meinem Bruder noch zu meinen Eltern ein inniges Verhältnis entwickeln können. Mein Vater ist schon 2003 verstorben, was ich fast emotionslos zur Kenntnis genommen habe. Keine Gefühle vorhanden. Sie mögen es mir nachsehen.

Und, wie heißt es so schön? Das Glück ist mit dem Tüchtigen.

Letztendlich habe ich ein wundervolles Leben erhalten, habe vieles anders machen können und erfreue mich an den Früchten der Mühe, die dies bedeutet hat. Ich habe einen wundervollen Ehemann, tolle Kinder und so viele liebe Freunde, dass ich mich zu einem sehr reichen Menschen zähle.


Meine Mutter werde ich mit ihrer Alzheimer-Erkrankung begleiten, bezeichnenderwesie ist der kleine Prinz abgetaucht und hat mich die Arbeit machen lassen.

So habe ich vom Rolli aus mit Hilfe meiner Familie und meines Netzwerkes sowohl ihre Heimunterbringung wie auch die Wohnungauflösung gemanagt und besuche sie regelmäßig, habe auch ihre Betreuung übernommen um in ihrem Sinne entscheiden zu können.

Liebe ist es nicht, leider. Aber ich bin niemandem böse, und sie in ihrer jetzigen Sitaution "hängen zu lassen" würde ich nicht übers Herz bringen. Auch wenn es immer mal ganz schöne Nervenkraft kostet, mit ihr umzugehen.

Aber das kenne ich noch von früher. ;-)


Alles in allem würde ich sagen "Et hätt noch immer jood jejange".

In diesem Sinne: Behandelt eure Kinder wie ihr behandelt werden möchtet!

Sie zahlen Euer Altenheim. ;-)


Und Gott sei Dank stimmt der Spruch nur bedingt.
Und Gott sei Dank stimmt der Spruch nur bedingt.



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