Der alte Meister

Folgende Geschichte habe ich gestern in der Chronik einer Facebook-Freundin gelesen:

 

Ein alter Meister hatte sich entschieden, nicht mehr zu kämpfen.
Trotzdem wurde er von einem jungen Krieger herausgefordert.
Der Meister saß nur da und reagierte nicht.
Daraufhin versuchte der Krieger, ihn zu provozieren.
Er beleidigte ihn und seine Vorfahren aufs Heftigste.
Geduldig ertrug der Meister die Beschimpfungen; schließlich entfernte sich der Krieger frustriert.

Die Schüler des Meisters konnten nicht verstehen, dass er sich nicht gewehrt hatte; sie schämten sich seiner sogar.
Daraufhin fragte der Meister:
"Wenn euch jemand ein Geschenk machen will, und ihr nehmt es nicht an, wem gehört es dann?"
Die Schüler antworteten:
"Natürlich immer noch demjenigen, der es verschenken wollte."
Der Meister fuhr fort:
"So ist es auch mit Neid, Ärger, Angst, Sorgen, Wut und Hass.
Wenn wir sie nicht annehmen, bleiben sie bei dem anderen."

Ja, cool.

Ich glaube, ich spreche für uns alle, wenn ich sage, dass wir alle weise genickt haben beim Lesen dieser Zeilen. Dann bliebe nun die Frage zu klären, warum wir uns nicht dran halten.

Meine Theorie ist, dass jeder meint, seine Worte seien wichtig genug, mitgeteilt zu werden.

 

Auch ohne diese wirklich weisen Worte vorher gekannt zu haben, ist mir wiederholt aufgefallen, dass, lasse ich es nicht sein zu antworten, es der oder die anderen auch nicht tun.

Ich hatte in der letzten Zeit einige Diskussionen, die es mir, wenigstens am Anfang, wert waren, geführt zu werden. Sie fanden auch in FB-Gruppen statt. Somit schriftlich. Wenn ich meine Meinung kund tue, denke ich darüber nach, wie ich es formuliere. So habe ich teilweise echt herumgefeilt, um zum einen meiner Meinung Ausdruck zu verleihen und zum anderen möglichst sachlich zu bleiben, auch wenn ich mich total über einen Post geärgert habe. Und wenn der Ärger größer war, ging natürlich auch die Sachlichkeit ein wenig verloren. Aber ich bin nie unfreundlich geworden, spitzzüngig schon.

Und ich schwöre: IMMER kam eine Antwort. NIE hat mal der andere aufgehört.

Da es auch mir immer in den Fingern juckt und ich wirklich auch immer eine weitere Antwort hätte, fällt es mir unsagbar schwer, es nicht weiter auszuführen.

 

Ich finde den Spruch: "Der Klügere gibt nach", echt blöde, aber er ist leider wahr. Hätte ich nicht aufgehört zu schreiben, wären wir wahrscheinlich heute noch dran. So finden sich in einigen Gruppen oder Posts ein, zwei, vielleicht drei Meinungsäußerungen von mir, aber nie als letztes. Immer gab es nochmal eine Antwort darauf. Mir wurde es nochmal erklärt.

 

So habe ich gelernt, dass ich Menschen nicht ändern kann, dass sie, gefangen in ihrer Meinung auch nicht offen sind und es am besten ist, es einfach zu lassen.

Und dann kam teilweise tatsächlich das, was dem alten Meister widerfahren ist. Es reichte nicht, dass ich nicht mehr antwortete. Nein, das Gegenüber hatte dennoch was zu sagen, mir seine Sicht zu erklären, mir klarzumachen, warum ich in seinen Augen falsch liege, es mir nochmal anders nahe zu bringen. Auch mal, mich zu beschimpfen.

Und erst wenn ich es ausgehalten hatte, auch darauf zu schweigen, war Ruhe.

Und das hat mir dann ein wenig Genugtuung gegeben.

Und so werde ich es weiter halten.

Wenn ich alles gesagt habe, werde ich einfach schweigen.

 

Was dazu führen wird, dass ihr niemals meinen Post als letzten irgendwo werdet stehen sehen...

... außer hier. ;-)



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